Bank mit Aussicht

LYRIK IN CORONAZEITEN

Nicht abgesagt

Gespräche sind nicht abgesagt

Hilfe ist nicht abgesagt

Beziehungen sind nicht abgesagt

Liebe ist nicht abgesagt

Songs sind nicht abgesagt

Lesen ist nicht abgesagt

Malen ist nicht abgesagt

EngelsArt ist nicht abgesagt

Selbst-Bewusstsein ist nicht abgesagt

Hoffnung ist nicht abgesagt

19.4. hier ein weiteres Gedicht von Renate Seinsch

Es hüstelt mich und kratzt im Hals,
die Nase dröppelt ebenfalls.
Und mein gutes Wohlbefinden
Spür ich täglich mehr entschwinden,
Teint ist bleicher,
Stuhl wird weicher.
Und außerdem von Kopf bis Zeh
Tut der Body mir so weh.
Auch der Geruchsinn ist fast weg
und am Arm ein dicker Fleck.
Nun seid ehrlich:
Hochgefährlich!
Doch all die vielen Zipperlein
Spür ich schon jahraus – jahrein.
Aber jetzt sind’s nur die Viren,
die mich derart malträtieren.
Schluss mit Ach und Weh!
Nabelschau ade

R.S.

Variationen auf die ach so Moderne
(frei nach Eckhard Henscheid)

soll das leben jetzt etwa
vermodern?

o nein, das leben fängt ja
bald wieder an!

heute ist es ja erst bloß
vormodern…

Harry Cremer

Tag 4

Wie schön wär’s, wenn der Wind sie bliese
ganz weit weg die miese, fiese
so verhasste Virus-Krise.

Die Kunst könnt’ sich dann neu entfalten,
wir würden wieder schalten, walten.
Wär wirklich alles dann beim Alten?

Nein, Einzelkampf wär Schnee von gestern,
wir würden Brüder und auch Schwestern,
nur wohlgesonnen, ohne lästern.

Doch dieser Traum geht schnell vorbei.
Bald ist es so wie einst im Mai.
Wir konsumieren dann für drei.

Oder?
R.S.

Tag 5 2.4.2020
ode an corona (frei nach Kurt Marti)

hier
schweigt es
laut
hier parkt
verkehr:
der lärm
schwand hin
man ruht
sich sehr

hier
wohnts
noch schön
hier sonnts
am hang:
komm
lass uns
gehen
ich
weil mich
lang

Harry Cremer

Jetzt haben wir die Woche schon fast voll Tag 6

Frühlingserwachen
Oh mögen sich die ollen
läst’gen Birkenpollen
endlich wieder trollen!
Ich weiß nicht, was die wollen.
Die Augen sind geschwollen,
Nase aufgequollen.
Aus meinem zarten Schmollen
wird aufgebrachtes Grollen.

Der Teufel soll sie hollen!

R.S.

Zum Wochenende eine: ANSAGE

Wenn schon fast alles
ABGESAGT
ist,

dann bleibt nur noch die
ANSAGE
dass

in diesen kulturlosen Zeiten
bei Weitem
in allen Breiten
von allen Seiten

und hauptsächlich unter uns der
KONTAKT
von mir
nicht
ABGESAGT ist.
Harry Cremer

Nach einer Woche ziehen wir Bilanz:

Corona – Bilanz:

Wir geh’n auf Distanz.
Kein Händedruck mehr,
Regale sind leer.

Kein Kosen, kein Kuss,
keine Fahrt mehr im Bus,
kein Kino, kein Zoo,
kein Papier für den Po.

Kein Mehl für den Kuchen,
bloß nicht Oma besuchen,
Homeoffice zu Haus,
Kids dürfen nicht raus.

Kein gemeinsames Speisen,
schon gar nicht verreisen,
für’s Haar kein Frisör.
Quel Malheur!
R.S.

es geht in die zweite Woche mit einem
Dreizeiler

Ich habe ja fast alles abgesagt

also um himmelswillen:

wie sag ich’s wieder an?

Ein neuer Autor sorgt für Abwechslung

quarantänen

in meinem haus am meer
gemietet oder noch zu kaufen
mir selbst überlassen und
gerade nicht einzufangen
sitze ich hinter beschlagenen fenstern

gischt und weißer sand verwehen
mein blick verschwimmt
und stößt auf noch keine hindernisse
wo sich weiß bekröntes blaugrau
mit himmelblauem mischt

süchtig nach wind und salz
segeln sturmmöven auf beutezug
unter seeschwalben zwischen wolken
und vorgeträumten delphinen
verweilt ein verlassener schatten

nur weit draußen kreuzen graue
schnellboote und eine fregatte
Karl Feldkamp

Tag 11 die Coronaregeln salopp gedichtet

Geh’nse weg, geh’nse weg,
schau’nse bitte nicht so keck
mittenrein in mein Gesicht.

Bleib’nse fort, bleib’nse fort,
zwei Meter fern von meinem Ort.
Abstand halten ist jetzt Pflicht.

Allerhand, Ihre Hand
-das habe ich doch gleich erkannt-
ist nicht desinfektioniert.

Außerdem, ein dicker Hund,
da ist kein Schutz vor Ihrem Mund.
Sie gehören isoliert!

So, mein Frust ist endlich raus.
Ich gehe ganz entspannt nach Haus
zu meiner lieben Alten.

Die fragt, wie war es guter Mann?
Ich sage ihr darauf alsdann:
Hab gut mich unterhalten.

R.S.

Tag 12
Lyrik 6 (frei nach Franz Hodjak)

verschiebungen – oder alles offen

die menschen stehn schlange um mehl
das mehl steht schlange um korn
das korn steht schlange um ernte
die ernte steht schlange um helfer
die helfer stehn schlange um flugzeuge
die flugzeuge stehn schlange um einen himmel
der himmel steht schlange um einen gott

der gott weiß noch nicht soll er sein oder nicht sein

Harry Cremer

Tag 13, die Hoffnung stirbt zuletzt

Hoffnung?

Sie liegt im Spital
auf Intensiv
Alles ist Qual
Sie ist „positiv“

Im Mund ein Schlauch
Körper verkabelt
Sonde im Bauch
weltabgenabelt

Es wüten die Viren
Kampf auf Leben und Tod
Wer wird verlieren?
Ein Gebet in der Not

Kein Wunder in Sicht
Kein göttlich Geheiß
Selbst sie wissen’s nicht
die Götter in Weiß

R.S.

jetzt sind schon 2 Wochen voll und es kommen immer noch Gedichte
dieses ist von Christine Jaeger

Der 26. April 2020 (Sonntag)

Heut sind die Geschäfte zu
Ich dachte, da wär’ endlich Ruh
Die Ruhe, der Dornröschenschlaf
Den alle so erholsam traf

Der Bus war schon etwas voller
Viele Autos, mancher Roller
Auf der Autobahn Stop and Go
An einem Sonntag! Das war selten so!

Angekommen am Stadion
Die Hertha sitzt am Startloch schon
Auf dem Friedhof endlich Stille?
Des Menschen Weg ist doch sein Wille!

Die Witwen saßen auf der Bank
Erzählten lauthals ihren Schwank
Und schöne Geschichten
Die sich jetzt ganz anders gewichten

Schnell weg von diesem Platze
Ich zeig dem Tod erst mal die Fratze
Morgen beginnt die Schule schon
Mit Maske und Desinfektion

Gebet für die Ungeimpften


Lieber Gott, der alles kann,
nimm dich der Ungeimpften an.
Du musst von ihrem queren Denken
sie endlich zur Vernunft hin lenken?
 

Auf dass die Menschen hier auf Erden
nur negativ getestet werden.
Lass logisch sie argumentieren,
und nicht lauthals demonstrieren,
 

in Massen durch die Straßen ziehen
mit ihren kruden Theorien.
Gib ihnen Einsicht, lieber Gott,
und das bitte ganz ganz flott.
 

Wir woll’n uns wieder Nähe gönnen
und ohne Maske atmen können.
Oh lieber Gott, der alles kann,
nimm dich der Uneinsicht’gen an!!!

Joseph von Eichendorff
             Weihnachtsgedicht
  verschlimmbessert von
        Renate Seinsch

 

Markt und Straßen stehn verlassen,

kaum geöffnet ein Geschäft.

Einsam geh ich durch die Gassen,

von weither ein Hündchen kläfft.

 

Masken tragen alle Frauen

und die Männer vor’m Gesicht,

auf dass sie sich nach draußen trauen

und kein Virus sie erwischt.

 

Hinaus flieh ich zum Wald, zur Wiese,

wo eine frische Brise geht.

So wird mir die Corona-Krise

eine Weile weggeweht.

                     *** 

Impfen! Impfen!  hör ich’s raunen.

Bald ist die Einsamkeit passé,

vorbei sind Angst und üble Launen!

Corona, Miststück: Tschüss – Ade!

Verboten

Verboten ist uns Modern-Walking.

Harry bietet Modern-Talking

so lange bis die Viren modern

Im Mist, oder im Feuer lodern.

 

R.S.

Während der Pandemie gilt es auf Freiheiten zu verzichten,

 die nach der Pandemie umso wichtiger werden.

Karl Feldkamp

 

 

Die Wochen vergehen

noch kein Land in Sicht

was Neues entsteht

 

Kreativität

vielleicht neue Bedeutung 

Ideen wachsen

 

Wochenlang Sonne

jetzt Regen als Erlösung

Die Natur blüht auf

 

Neues sehen und

Jeden Tag Fotos machen

den Blick schulen jetzt

 

Elke Erben

 
 
Der 22. April 2020

 

Ein Tag, überhaupt nicht ranzig

Wie manche Tage waren in dieser Zeit

Heut waren alle sehr bereit

 

Bereit, in kleine Läden zu gehn'

Sich mal wieder im Spiegel zu sehn'

Sich eine Stoffmaske zu leisten -

Wie die meisten

 

Voll von Studenten der Savignyplatz

Schon wieder die Innenstadt-Hatz

Auf der Stadtautobahn schon wieder Stau

Die Leute sind schon wieder rau

 

Bei ALDI wieder Klopapier

Und alles fürs Grillen, das wollen wir!

Nudeln im Angebot

Und da sprecht ihr von der Not?

 

Wenn das die Merkel wüsste

Denn ich müsste

Ganz brav zu Hause weilen

Und nicht durch die Geschäfte eilen

 

Für mich kann ich aber sagen

Ohne viel zu wagen

Habe ich Masken gekauft

Und mich nicht gerauft

 

Marienkäfer und Blumen als Design

Nehmen nun Mund und Nase ein

Ein bisschen Flower Power

gegen den Corona-Schauer

 

© Christine M. Jaeger     Berlin im April 2020

 
 
zeitverwendung

 

tot geschlagen haben wir sie

die zeit mit handel und wandel

mit notwendigen pausen

bei erhabenen überflüssen

erlebt haben wir sie im lustgarten

vergoldeter konsumtempel

beim schein der aprilsonne

sangen wir bereits lästerliche lieder

über gierige weißhaarige männer

und gott so wussten wir gottlosen

war stets auf unserer seite

nun suchen wir unverdrossen

nach neuen sympathisanten

 

Karl Feldkamp

quarantänen

in meinem haus am meer
gemietet oder noch zu kaufen
mir selbst überlassen und
gerade nicht einzufangen
sitze ich hinter beschlagenen fenstern

gischt und weißer sand verwehen
mein blick verschwimmt
und stößt auf noch keine hindernisse
wo sich weiß bekröntes blaugrau
mit himmelblauem mischt

süchtig nach wind und salz
segeln sturmmöven auf beutezug
unter seeschwalben zwischen wolken
und vorgeträumten delphinen
verweilt ein verlassener schatten

nur weit draußen kreuzen graue
schnellboote und eine fregatte

relativ

Ich habe „Rücken“

alles tut weh

gehen und bücken

vom Kopf bis Zeh

vom Steiß bis Wade

Schmerzen und Qual

Corona ist grade

mir ziemlich egal

 

R.S.

Maskenpflicht

Mich strahlen blaue Augen an

engelhaft so scheint es mir

zieht mich ihr Blick in ihren Bann

vom Blitz getroffen steh ich hier

 

Oh ihre Anmut, die Bewegung,

Timbre, Charme und ihr Geruch

versetzen mich in Hocherregung

Nase und Mund verdeckt ein Tuch

 

Ach bitte zeig mir Dein Gesicht

die Sinne schwinden, mir wird flau

sie tut es und in hellem Licht

steht vor mir meine eig‘ne Frau

 

R.S.

Es hüstelt mich und kratzt im Hals,                                                                              

die Nase dröppelt ebenfalls.                                                                                         

Und mein gutes Wohlbefinden                                                                                      

Spür ich täglich mehr entschwinden,                                                                      

Teint ist bleicher,                                                                                                              

Stuhl wird weicher.

Und außerdem von Kopf bis zeh                                                                                     

Tut der Body mir so weh.                                                                                                    

Auch der Geruchsinn ist fast weg                                                                                

und am Arm ein dicker Fleck.                                                                                             

Nun seid ehrlich:                                                                                                

Hochgefährlich!

Doch all die vielen Zipperlein                                                                                         

Spür ich schon jahraus – jahrein.                                                                             

Aber jetzt sind’s nur die Viren,                                                                                         

die mich derart malträtieren.                                                                                 

Schluss mit Ach und Weh!                                                                                   

Nabelschau ade                                                            

R.S.

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