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  • AutorenbildElke Erben

Pressemeldung zum Jazzkonzert

Mit langen Bärten am Lagerfeuer


OBERBERG SPLITTER




„In Bewegung“ sind die drei Jazzmusiker seit mehr als 40 Jahren, am Wochenende gastierten sie in Engelskirchen. (ds_Siegbert Dierke Fotografie)


Engelskirchen. Ihre Vernissagen verbinden die Künstlerinnen und Künstler von Engelsart gern mit einem Konzert. Am Samstag eröffneten sie ihre Kunstausstellung im Alten Baumwolllager zum Thema „In Bewegung“, bevor dann die drei bekannten Jazzmusiker Fritz Wittek, Wollie Kaiser und Dieter Manderscheid Stücke aus ihrer mehr als 40-jährigen gemeinsamen Zeit spielten. 13 Künstlerinnen und Künstler von Engelsart, vom Profi bis zum Freizeitmaler, zeigen in der Ausstellung ihre Werke. Dabei bot das Thema die Möglichkeit, sowohl neue Werke zu kreieren als auch unbekannte aus dem Fundus zu zeigen. „So ist es ein abgerundetes Werk“, erklärte Renate Seinsch, zuständig für Malerei bei Engelsart.

Viele Bilder waren zuvor von den Mitgliedern der Kunstinitiative zur Jurierung eingereicht worden, sodass eine möglichst stimmige Auswahl getroffen werden musste. „Bewegung in der Kunst: Das Thema können wir von unterschiedlichen Seiten betrachten“, sagte Seinsch. Nicht nur unter dem Aspekt der Darstellung von Bewegung könne das Thema aufgefasst werden, sondern auch unter dem Gesichtspunkt der Weiterentwicklung in der Kunst von der Antike über die Renaissance, den Expressionismus und viele weitere Bewegungen bis heute.

Häufig verknüpften die Künstler das Motiv einer Spirale mit dem Thema: Fünf Spiralen hängen aus, meist in leuchtend bunten Farben. Aber auch viele abstrakte Werke mit wilden Pinselstrichen auf großen Leinwänden haben es in die Ausstellung geschafft. „Was normalerweise erstrebenswert ist, ruhige Elemente ins Bild zu bringen, hätte in diesem Fall das Thema verfehlt“, merkte Seinsch an. Daher fallen die realistischeren Werke, eine Landschaftsmalerei von Achim Lahr, die einen Wasserfall in Island zeigt, sowie eine Kohlezeichnung von Wolfgang Strompen sofort ins Auge. Die Zeichnung zeigt die Schäden nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchives, eine Situation kurz nachdem eine Bewegung stattgefunden hat.

Nach einer langen Zeit immer noch gemeinsam auf der Bühne in Bewegung sind die Jazzmusiker Fritz Wittek am Schlagzeug, Wollie Kaiser an Saxofon und Bassflöte und Dieter Manderscheid am Kontrabass, die zur Vernissage ein Konzert im Baumwolllager gaben. Mehr als 40 Jahre musiziert das Trio zusammen, mehr als 30 eigene Stücke sind dabei entstanden. Mit ihrer Musik reisten die Künstler aus Köln, Saarbrücken und Trier bereits durch viele Länder weltweit. „Dass sie nun auch nach Engelskirchen kommen, ist ein Kompliment für uns“, kündigte Irmi Nieswandt-Cremer das Trio an. Wittek, Kaiser und Manderscheid harmonierten auf der Bühne, spielten Stücke vom Beginn ihrer Karriere und all den darauffolgenden Jahren. Bei dem ersten Stück, das mit einem langen Schlagzeugsolo begann, bevor Kontrabass und schließlich Saxofon einstiegen, handelte es sich um einen Titel ihres ersten Albums „Trotzdem“. Wo sie dieses Stück erstmals gespielt haben, ist ihnen gut in Erinnerung, zur Einweihung einer restaurierten Mühle in Trier. „Damals mit langen Bärten am Lagerfeuer“, sagte Bassist Manderscheid. Das weitere Konzert bot eine Vielfalt ganz unterschiedlicher Jazzklänge, vom sehr ruhigen Spiel der Bassflöte, bis zu schrilleren Passagen des Saxofons.

Sie spielten Titel aus ihrer eigenen Biografie. So schrieb Wollie Kaiser ein Stück zur Geburt der Tochter von Fritz Witteck. Da die drei einst Fans von J.R.R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“ waren, ist eines der ruhigeren Stücke dem mystischen Wald Fangorn aus den Büchern gewidmet. Als Manderscheid nach dem Stück mit dem Titel „Miss Gottlieb“ verkündete: „Das letzte Stück steht vor der Tür“, ging ein trauriges „Ohhh“ durchs Publikum. Nach viel Applaus und einer Zugabe verabschiedeten sich die Musiker.


Kölner Stadtanzeiger - 6. Feb. 2023

FREDERIKE TSCHERNICH


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