EngelsArt in den Häusern

Ründerother Köpfe: Der Schriftsteller Ernst Herhaus (1932-2010)
Oberberger, Alkoholiker, literarischer Provokateur

Ein Porträt.
Vortrag und Lesung von Anke Ahle, Bernhard Bauer und Harry Cremer.

Donnerstag, 17.Mai, 19.00 Uhr
Baumhof (Tagespflege Uwe Söhnchen),
Hauptstraße 18, Engelskirchen-Ründeroth

Aufgrund begrenzter Plätze wird um Voranmeldung gebeten: 02263 – 7158018 oder info@antiquariat-peteribbetson.de

Foto: Digne Meller Marcovicz / Archiv Diogenes Verlag Zürich.

In Ründeroth geboren, in Osberghausen aufgewachsen und vor sieben Jahren in Keuzlingen am Bodensee verstorben, ist Ernst Herhaus nicht nur vielen Heimatkennern heute noch ein Begriff. Wer sich sich mit deutscher Nachkriegsliteratur beschäftigte, stieß spätestens im Jahr 1972 auf seinen Namen, als sein im Auftrag von Jörg Schröder verfasstes Skandalbuch „Siegfried“, das gnadenlos mit dem deutschen Literatur- und Kritikerbetrieb abrechnete, im berühmt-berüchtigten März-Verlag erschien.

Unter den Älteren werden sich sich einige an den exzentrischen jungen Mann erinnern, der morgens mit der Bahn von Osberghausen nach Bergneustadt fuhr, erst zur Schule und später zur Arbeit. Während der Fahrt gab Herhaus oft Kostproben jener Erzählkunst zum Besten, gern mit deftigen erotischen Erlebnissen ausgeschmückt, die in den 70er Jahren in der deutschen Literaturszene für Aufsehen sorgen sollten.

Als Schüler korrespondierte er mit Heinrich Böll und Gottfried Benn. Denn für Ernst Herhaus stand damals schon fest, dass er Schriftsteller werden wollte, der bekannteste deutsche Erzähler nach Thomas Mann. So war nach der Mittleren Reife seine Arbeit als Angestellter in der Bergneustädter Krankenhausverwaltung nur ein kurzes Intermezzo, das unrühmlich endete, als er sich nach der Unterschlagung von Geld selbst anzeigte und für ein Jahr in Siegburg im Gefängnis saß.

Es folgten rastlose Jahre in München, Paris, Frankfurt, Wien und Zürich, in denen er, ohne feste Arbeit und dem Alkoholismus verfallen, weiter am Schreiben festhielt.

Seine Lust am Erzählen und sein ungewöhnlicher Stil wurden von Lesern und Kritikern gefeiert, als er 1967 seinen ersten Roman „Die homburgische Hochzeit“ veröffentlichte. 

In den 70er Jahren erlebte Herhaus den Höhepunkt seines Schaffens. Seine Bücher in den renommierten Verlagen Diogenes und Hanser erreichten hohe Auflagen und wurden in den Feuilletons aller großen deutschsprachigen Tageszeitungen meist positiv besprochen. Ihn verband ihn eine enge Freundschaft mit dem Philosophen Max Horkheimer. 

Die oberbergische Kindheit spielt in Herhaus’ Werk eine wichtige Rolle, genau wie seine dunkle Seite: die Alkoholsucht, die ihn verfolgte, seit er als Siebenjähriger von seiner Tante Ida das erste Glas Schnaps erhielt, und die er schließlich mit Hilfe der Anonymen Alkoholiker überwand. Beide Themen durchziehen seine romanhafte, von 1973-1977 entstandene Autobiographie „Kapitulation“ und die Folgewerke „Der zerbrochene Schlaf“ (1978) und „Gebete in die Gottesferne“ (1979). 

So liegt es für EngelsArt auf der Hand, im Rahmen der seit Jahren erfolgreichen Veranstaltungsreihe „Ründerother Köpfe“ den Schriftsteller Ernst Herhaus einmal vorzustellen. Der Ründerother Bernhard Bauer, der als persönlicher Bekannter des Schriftstellers bis in die 90er Jahre den Kontakt pflegte, gewährt spannende biographische Einblicke. Ergänzt wird das literarische Porträt von Anke Ahle und Harry Cremer durch Zitate aus den Werken und über die Werke von Ernst Herhaus. 

Bücher von Ernst Herhaus sind antiquarisch erhältlich und können nach der Veranstaltung erworben werden.

Der Eintritt ist frei. Spenden sind erwünscht.