Lesung im Rathaussaal Engelskirchen

19.00 Uhr, Rathaussaal Engelskirchen

Lesung aus dem Buch
Maximilian Scheer – Ein unruhiges Leben

Die Antiquare Anke Ahle und Karsten Heider stellen das Leben und Werk Maximilian Scheers vor und lesen Auszüge aus seiner Autobiographie.
Anschließend besteht die Möglichkeit für Fragen und zur Diskussion.

Zum Schriftsteller:
Maximilian Scheer (1896-1978): Ein vergessener Exilschriftsteller aus Ründeroth

Kaum jemand weiß, dass der deutsche Autor Maximilian Scheer im Pariser Exil schon 1936 eine Schrift über den Terror im Dritten Reich veröffentlichte. Das anonym erschienene Buch mit dem Titel „Das deutsche Volk klagt an“ enthielt bereits eine Übersichtskarte über die deutschen Konzentrationslager sowie die Lagerordnung des Konzentrationslagers Esterwegen. Noch weniger bekannt ist, dass der Autor dieses wichtigen Werkes aus Hahn bei Wallefeld stammt.
Das ist nicht weiter verwunderlich, denn den Namen „Scheer“ sucht man in Wallefeld vergeblich. Geboren wurde Maximilian Scheer im Jahr 1896 als Walter Maximilian Schlieper. Nach seiner Flucht vor den Nazis nach Paris änderte er 1933 seinen Namen aus Angst um die Sicherheit seiner in Deutschland zurückgebliebenen Familie zu Maximilian Scheer, indem er seinen zweiten Vornamen benutzte und aus seinem Nachnamen die Buchstaben l,i und p strich. Außerdem kehrte der überzeugte Kommunist Scheer nach Ende des Zweiten Weltkriegs in den Ostteil Deutschlands zurück und teilte lange das Schicksal vieler DDR-Künstler, im Westen kaum wahrgenommen zu werden.
Auch Anke Ahle und Karsten Heider vom Antiquariat Peter Ibbetson in Bergisch Gladbach wurden nur zufällig auf Maximilian Scheers 1975 erschienene, inzwischen nur noch antiquarisch erhältliche Autobiographie „Ein unruhiges Leben“ aufmerksam. Dabei galt ihr Interesse zunächst den ersten Kapiteln des 445 Seiten starken Buches, in denen der Autor seine Kindheit in Wallefeld, seine Lehrzeit in Ründeroth und seine Studienjahre in Köln sehr unterhaltsam beschreibt. Doch die Lektüre offenbarte darüber hinaus die Lebensgeschichte eines außergewöhnlichen Menschen in einer bewegten Zeit, auf dessen politischen Weitblick in der Jugend eine politische Blindheit im Alter folgte.
Als Sohn einer kinderreichen Familie aus einfachen Verhältnissen, war für Maximilian Scheer trotz Hochbegabung der Besuch der höheren Schule nicht möglich. Daher arbeitete er als Buchhalter für die beiden großen Ründerother Firmen Gustav Jaeger und Dörrenberg, bevor er als Gasthörer an der Kölner Universität seiner Liebe zum Theater folgte und Theaterkritiken schrieb. Seine deutlich antifaschistische Haltung sowie die Gründung der politisch links orientierte Theatergruppe „Die Oktobergruppe“ machten ihn 1933 zum Verfolgten des nationalsozialistischen Regimes und zwangen ihn zur Emigration nach Paris. Nach der Besetzung Frankreichs musste Scheer ins Exil nach New York fliehen, bevor er 1947 nach Ostberlin zurückkehrte und eine steile Karriere als Journalist, Schriftsteller und Funktionär machte. Zu seinen Bekannten zählten u.a. Heinrich Mann und Bert Brecht, zu dessen Theaterstücken er Hörspielfassungen schrieb.
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